Inhalte dieser Seite
Die Calciumversorgung beim BARF ist ein heiß diskutiertes Thema und stellt viele Besitzer vor Allem bei Junghunden oder laktierenden Hündinnen vor große Herausforderungen. Wie du ruhigen Gewissens die optimale Calciumversorgung beim BARF deines Hundes gewährleistest, erfährst du hier.
Etwa 10% der BARF Rationen sind mit nur einem Viertel an Calcium gedeckt.

Was du über Calcium wissen musst
Calcium ist ein Mengenelement, das im Körper zu 97% im Knochen gebunden ist. Es wird über das Futter aufgenommen und erfüllt im Körper viele verschiedene Aufgaben. Eine adäquate Calciumversorgung ist daher das A und O, um deinen Hund gesund und munter zu halten.
Aufgaben und Funktion von Calcium
Calcium ist ein vielseitiges Element und spielt in verschiedenen Prozessen im Körper eine Rolle. Es hat Bedeutung bei der Blutgerinnung und der Weiterleitung von nervlichen Impulsen. Außerdem findet es Anwendung bei der Muskelkontraktion und der Regulation des Säure-Basen-Haushalts.
Es stellt den wichtigsten Bestandteil der Knochen- und Zahnmineralisierung dar.


Calcium im Körper
Calcium wird über den Dünndarm aufgenommen. Zellen transportieren es über bestimmte Transporter ins Blut. Steigt nun der Calciumspiegel im Blut über den Grenzwert an, wird ein Botenstoff (Hormon) frei. Es heißt Calcitonin. Dieses Hormon sorgt dafür, dass Calcium aus dem Blut vermehrt in den Knochen eingelagert wird. Hier wird das Calcium gespeichert und mineralisiert den Knochen.
Bei einem Calciummangel im Blut wird der Gegenspieler des Calcitonins, das Parathormon aus der Nebenschilddrüse abgegeben. Es aktiviert Zellen, die den Knochen wieder abbauen und somit Calcium freisetzen. Außerdem kann es in der Niere dazu beitragen, dass mehr Calcium aus dem Primärharn zurückgewonnen wird und damit weniger Calcium verloren geht. Als dritte Aufgabe aktiviert Parathormon Calcitriol oder auch Vitamin D-Hormon genannt. Dieses sorgt im Darm dafür, dass mehr Calcium aus dem Futterbrei aufgenommen wird.
Die optimale Calciumversorgung beim BARF
Je nach Größe und Gewicht sowie Lebensphase des Hundes variiert der Calciumbedarf. Ein adulter Hund benötigt ca. 62–80 mg/kg KM/Tag.
Trächtige Hündinnen sollten aufgrund ihrer Aufgabe, die Welpen optimal zu versorgen, etwa 165 – 177 mg/kg KM/Tag Calcium erhalten.
Bei laktierenden Hündinnen ist der Calciumbedarf je nach Größe der Würfe unterschiedlich hoch. Währende Hündinnen, kleinerer Würfe eine Calciumsupplementation von ca. 250 – 361/kg KM/Tag, benötigen sollten Hündinnen größerer Würfe bis zu 500 mg/kg KM/ Tag zur Verfügung gestellt bekommen sollten.
Auch Junghunde, die sich im Knochenaufbau befinden, haben einen deutlich höheren Calciumbedarf, der gegen Ende des Wachstums proportional abnimmt. Dieser orientiert sich an dem zu erwartenen Endgewicht und dem aktuellen Lebensmonat. So sollte ein kleiner Welpe, der mal ca. 5 kg wiegt, ca.420 mg/kg KM/ Tag Calcium im ersten Lebensmonat erhalten und im 5. bzw. 6. Lebensmonat nur noch 240 mg/kg/KM/ Tag.
Mehr zum Thema Junghundefütterung erfährst du hier:
https://www.vet-dogs.de/fuetterung-von-welpen-und-junghunden/
Neben dem optimalen Calciumbedarf, ist das Calcium- Phosphorverhältnis für die Calciumversorgung beim BARF nicht zu vergessen. Es sollte idealerweise bei 1,3:1 liegen.
Futtermittel zur Calciumdeckung
Calcium befindet sich in tierischen Abfallprodukten wie Knochen oder Eierschalen. Knochen sind meistens einfach zu besorgen und bieten außerdem ein befriedigendes Kauerlebnis. Mehr zu den Vor- und Nachteilen der Knochenfütterung beim BARF kannst du hier nachlesen: https://www.vet-dogs.de/knochenfuetterung-beim-BARF/
Neben den herkömmlichen Calciumquellen sind Calciumcitrat, Futterkalk und Fischmehle gute Zusatzstoffe zur Calciumdeckung. Sie können unkompliziert supplementiert werden und sind online oder in speziellen Futtermittelläden zu erwerben.
Monokalziumphosphat und Dikalziumphosphat stellen neben Calcium auch Phosphor bereit.
Krankheiten durch fehlerhafte Calciumfütterung
Da Calcium im Körper eine so große Rolle einnimmt und seine Aufgaben weitgefächert sind, zeigen sich bei einer Calciumfehlversorgung viele verschiedene Symptome. Es können fütterungsbedingt Krankheiten entstehen. Werden entsprechende Anzeichen beim Hund bemerkt, sollte unbedingt die Ration überprüft und gegebenenfalls anpasst werden.
Folgende Probleme treten bei der fehlerhafter Calcium Fütterung auf:
-
Calciummangel
-
Calciumüberversorgung
-
Hyperparathyreoidismus
Calciummangel
Ein Calciummangel kommt zustande, indem bestimmte Futtermittel wie Knochen oder Eierschalen bei der Fütterung vernachlässigt werden. Außerdem hemmen Oxalsäure, Lignin, Phosphat, Tannine und Phytinsäure sowie zu viel Fett die Absorption von Calcium im Darm. Achte daher gut darauf, welche weiteren Futtermittel du verfütterst.
Symptome
In frühen Stadien ist ein Calciummangel schwer diagnostizierbar, da Hormone Calcium streng kontrollieren und anpassen. Erst bei fortlaufenden Fehlversorgungen kann eine Demineralisierung durch erhöhte Parathormonaktivität zu Knochenbrüchen oder Gummiknochen führen. Besonders betroffen sind Junghunde, die sich im Wachstum befinden. Calciummangel kann die Knochen deformieren und die Entwicklung somit erheblich stören.
Des Weiteren äußert sich Calciummangel in Blutgerinnungsstörungen und vermehrten Muskelkrämpfen. Es kann zur Übersäuerung des Magens kommen und zu Problemen bei der Weiterleitung nervlicher Impulse. Hunde zeigen veränderte Gangbilder und untypisches Verhalten.
Therapie und Propyhlaxe
Bei akutem Calciummangel wird die Therapie vom Tierarzt oder der Tierärztin eingeleitet. Prophylaktisch solltest du dafür sorgen, dass der Hund immer genug Calcium zur Verfügung hat.


Calciumüberversorgung
Eine Calciumüberversorgung ist ähnlich schwerwiegend anzusehen, wie ein Calciummangel. Hyperkalzämien müssen nicht immer einen nutritiven Ursprung haben, sondern können auch durch eine Hypervitaminose D, Hyperparathyreoidismus oder in Folge von neoplastischen Veränderungen hervorgerufen werden.
Symptome
Ähnlich wie bei einem Calciummangel, zeigt sich eine Calciumüberversorgung in Wachstumsstörungen. Die Symptomatik wird von einem sekundären Kupfer- und Zinkmangel begleitet, der seinerseits wieder Auswirkungen auf Haarkleid, Fruchtbarkeit, Wundheilung und Knorpelbildung hat. Die pH-Wertbeeinflussung zeigt sich vor allem im Anstieg des Magen-pH Wertes und vermehrter Auskristallisation von Harnsteinen.
Therapie und Prohylaxe
Hat deine Überversorgung nutritiven Ursprung, solltest du auf jeden Fall die Ration neu berechnen und anpassen.
Hyperparathyreoidismus
Als Hyperparathyreoidismus wird eine Überfunktion der Nebenschilddrüse beschrieben. Wie du weißt, wird in der Nebenschilddrüse das Parathormon gebildet, welches verantwortlich für den Knochenabbau ist. Bei gesteigerter Funktion der Nebenschilddrüse wird mehr Calcium aus dem Knochen gelöst und wandert ins Blut. Es kann zur Mineralisierung von Gefäßen, dem Herzen oder der Lunge kommen. Die abgebaute Knochensubstanz wird durch elastisches Bindegewebe ersetzt, welches den Knochen weich und schnell brüchig macht.
Man unterscheidet zwischen primärem, sekundären und tertiären Hyperparathyreoidismus
Der primäre Hyperarathyreoidismus entsteht durch eine Vergrößerung der Nebenschilddrüse zum Beispiel in Folge einer Neoplasie. Während eine sekundäre Nebenschilddrüsenüberfunktion durch einen nutritiven Mangel an Calcium oder eine Phosphorüberversorgung hervorgerufen wird. Man bezeichnet ihn auch als All-meat-Syndrom, da eine reine Kohlenhydrat- und Fleischfütterung für die Symptome verantwortlich sind. Der tertiäre Hyperparathyreoidismus entsteht bei anhaltender Fehlversorgung und bleibt erhalten, selbst wenn dieser bekämpft wird.
Quellen:
Ernährung des Hundes. Zentek J, Hrsg. 9., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage
Praktikum der Hundeklinik. Kohn B, Schwarz G, Hrsg. 12., aktualisierte Auflage
Hinterlasse einen Kommentar